Dienstag, 10. Dezember 2013

ISON-Reste bisher nicht eindeutig beobachtet

Komet ISON (oder was davon übrig blieb) steht am Morgenhimmel wieder vor nachtdunklem Himmel. Die Suche nach irgendwelchen Resten hat begonnen. Viel ist dabei bisher nicht rumgekommen: 

Es gibt zwei visuelle Beobachtungsberichte der Staubwolke aus Spanien und Russland vom 6. und 7.12.. Berichtet wird von einer sehr diffusen, flächenlichtschwachen und großflächigen Wolke, wobei sich die Positionsangaben widersprechen. Es gibt eine ganze Reihe von fotografischen Beobachtungsversuchen aus Frankreich, Deutschland und Kanada vom 6.-8.12., zum Teil bei sehr guten Beobachtungsbedingungen, die alle keinerlei Objekte heller als 14. bis 17. Größe in der Nähe der erwarteten Kometenposition zeigen.


Donnerstag, 5. Dezember 2013

Wo finde ich Komet Lovejoy ?

Hier ist einmal eine Aufsuchkarte für den Komten Lovejoy, der derzeit ein Objekt 5. Größe ist und das Maximum seiner Helligkeit erreicht hat. Zu jeder anderen Zeit wäre er als DER Weihnachtskomet tituliert worden, nach der ISON-Hype findet er kaum Beachtung. Zu Unrecht: Er ist gut am Morgenhimmel zu sehen und bewegt sich gerade durch die Sternbilder Bootes, Krone und Herkules.



OK, KEIN großer Komet, aber ein schöner Gaskomet:
Foto: H.Lüthen, GvA-Sternwarte in Handeloh, 2.12.2013
Am 2.12. war er  mit freien Auge, wenn man seine Position kennt, als diffuser Fleck erkennbar. Mit dem Feldstcher ist der Schweif zu sehen, und für Astrofotografen ist er ein gefundenes Fressen.




Ephemeride für Komet C/2013 R1 (Lovejoy)
Geographische Breite = 53deg   Kritische Sonnenhoehe bei Daemmerung= -16deg
  Daten          R.A.      Dek.  r      delta  Mag  R.A.     Dek.    Topt   Hmax
                   2 0 0 0 . 0                        1 9 5 0 . 0
  UT               h  m     o  ,  aE     aE           h  m     o  ,   h  m   o
 2013 12  6      15 04.5   43 51  0.95   0.52   4.9  15 02.7  44 03   6 04   50
 2013 12  7      15 16.0   43 10  0.94   0.53   4.9  15 14.0  43 21   6 05   49
 2013 12  8      15 26.7   42 26  0.94   0.55   5.0  15 24.9  42 36   6 06   48
 2013 12  9      15 36.5   41 41  0.93   0.56   5.0  15 34.7  41 51   6 07   46
 2013 12 10      15 45.5   40 56  0.92   0.58   5.0  15 43.8  41 05   6 08   45
 2013 12 11      15 53.9   40 10  0.92   0.60   5.0  15 52.2  40 19   6 09   44
 2013 12 12      16 01.7   39 25  0.91   0.62   5.1  15 59.9  39 33   6 10   43
 2013 12 13      16 08.8   38 40  0.91   0.63   5.1  16 07.1  38 48   6 11   43
 2013 12 14      16 15.5   37 56  0.90   0.65   5.1  16 13.7  38 03   6 12   42
 2013 12 15      16 21.7   37 12  0.90   0.67   5.1  16 19.9  37 19   6 13   41
 2013 12 16      16 27.4   36 29  0.90   0.69   5.2  16 25.6  36 36   6 13   40
 2013 12 17      16 32.8   35 47  0.89   0.71   5.2  16 31.0  35 53   6 14   40
 2013 12 18      16 37.8   35 06  0.89   0.72   5.2  16 36.0  35 12   6 15   39
 2013 12 19      16 42.5   34 26  0.89   0.74   5.3  16 40.7  34 31   6 15   39
 2013 12 20      16 46.9   33 46  0.88   0.76   5.3  16 45.1  33 52   6 16   38
 2013 12 21      16 51.1   33 08  0.88   0.78   5.3  16 49.2  33 13   6 16   38
 2013 12 22      16 55.0   32 31  0.88   0.80   5.4  16 53.1  32 35   6 17   38
 2013 12 23      16 58.7   31 54  0.88   0.82   5.4  16 56.8  31 58   6 17   37
 2013 12 24      17 02.2   31 18  0.88   0.83   5.5  17 00.3  31 22   6 18   37
 2013 12 25      17 05.5   30 43  0.88   0.85   5.5  17 03.6  30 47   6 18   37
 2013 12 26      17 08.7   30 09  0.88   0.87   5.5  17 06.7  30 13   6 19   37
 2013 12 27      17 11.7   29 36  0.88   0.89   5.6  17 09.7  29 39   6 19   36
 2013 12 28      17 14.5   29 03  0.88   0.91   5.6  17 12.6  29 06   6 19   36
 2013 12 29      17 17.3   28 31  0.88   0.93   5.7  17 15.3  28 34   6 19   36
 2013 12 30      17 19.9   27 60  0.88   0.94   5.7  17 17.9  28 03   6 19   36
 2013 12 31      17 22.4   27 29  0.88   0.96   5.8  17 20.4  27 32   6 20   36
 2014  1  1      17 24.8   26 59  0.88   0.98   5.9  17 22.8  27 01   6 20   35
 2014  1  2      17 27.1   26 29  0.89   0.99   5.9  17 25.0  26 32   6 20   35
 2014  1  3      17 29.3   26 00  0.89   1.01   6.0  17 27.2  26 03   6 20   35
 2014  1  4      17 31.4   25 32  0.89   1.03   6.0  17 29.4  25 34   6 19   35
 2014  1  5      17 33.5   25 04  0.90   1.05   6.1  17 31.4  25 06   6 19   35


Erklärungen: Datum: Zeit ist jeweils 0 Uhr UT = 1 Uhr MEZ, R.A. und Dekl. gelten für 2000.0 und sind daher in jeden modernen Himmelsatlas einzuzeichnen. Wer alte Sternatlanten mit 1950er Koordinaten hat, kann die Spalten RA 1950 und Dek 1950 benutzen. r und delta sind die Abstände von der Sonne bzw. der Erde in astronomischen Einheiten (1 a.E. sind 149,6 Millionen km). mag ist die vorausgesagte Helligkeit. Topt ist die optimale Beobachtungszeit, bei der der Komet die größte Höhe vor nachtdunklem Himmel erreicht, in MOZ. Die größte Höhe ist als Hmax gelistet.

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Wozu braucht man überhaupt einen J$5%6§*!!!%kometen?

.. wenn es nettes Kleinvieh gibt?
Und das macht durchaus mehr als nur Mist: Leute, vergesst bei all dem Hype-Frust den Kometen Lovejoy (2013 R1) nicht.  Zu jeder Zeit wäre ein derart schöner Komet DAS Ziel für den Amateurbeobachter. Jetzt, naja. Ich schätzte ihn letzten Sonntag auf 4.8 mag, und er ist, wenn man weiß wo, prima mit freiem Auge zu sehen. OK, im Feldstecher ist der Schweif klar erkennbar. Und fotografisch ist einiges rauszuholen. Hier mal ein Bild auf die Kernregion mit dem 12"-Astrografen der GvA in Handeloh. Ein richtig schöner Gaskomet.

Und das ist nur der Anfang: Der Schweif geht noch viel weiter , hier mal ein 4fach Mosaik, das noch Bildverarbeitung erfordert:

Und wem das noch nicht genug Ersatzbefriedigung ist, zeige ich mal das, was ich in Handeloh aufgenommen habe, bevor Lovejoy hoch genug stand: Hier kommt erstmal Komet 290P/Jäger. OK, der ist jetzt wirklich etwas schwach. Vor 15 Jahren hat ihn Michael entdeckt. Er sprach damals die legendären Worte auf meinen Anrufbeantworter "Du, I hob a Kometen entdeckt, aber Du bischt net do, jetzt ruf I den Jost an". Der dann den Kometen an das CBAT meldete. Damals meinte jeder: "Endlich - das ist einer, der es verdient hat, dass ein Komet nach ihm heißt". Und was für ein Komet: Er ist periodisch und hat eine Umlaufzeit von - 15 Jahren.  Also war er wieder da, und war heller als gedacht (sowas gibt es auch) und kam sogar mit einem kleinen Schweif daher! Mit unserem 12"-GvA in Handeloh ein leichtes Ziel.


Und natürlich gibt es da noch einen Kometen 2013 V3, der genau wie ISON von Vitali Nevski entdeckt wurde, aber im Unterschied zum J$5%6§*!!!%-Kometen diesmal fairerweise sogar nach seinem Entdecker heißt. Kein Schweif, aber dennoch hübsch:

Alles in einer Nachthälfte aufgenommen. Kometen sehen im Gegensatz zu Deepskyobjekten nicht immer gleich aus, sie sind für (positive und negative) Überraschungen gut, und noch nie waren sie so einfach zu sehen und zu fotografieren wie heute.




Samstag, 30. November 2013

"Jahrhundertkomet" endgültig abgesagt

Komet ISON hat seine Sonnenpassage irgendwie überlebt, aber in sehr schlechtem Zustand. Unmittelbar nach dem Perihel sah man im SOHO C2-Bild nur noch eine feine Spur von Teilchen - Zeichen für eine totale Fragmentierung des Kometen. Diese fingen in den folgenden Stunden an, kometare Aktivität zu entwickeln. Dabei wurde deutlich, dass vorne die größeren Brocken und danach die kleineren Teile daherliefen. Die kleineren sind offenkundig  zur Stunde fast völlig ausgegast und somit verschwunden. Die vorderen wurden beim Fragmentationsprozess unterschiedlich beschleunigt / verzögert, was die Exzentrizität ihrer Bahnen beeinflusst und zu einer Aufspreizung quer zur Bahn führt. Auf den neuesten SOHO-C3-Bildern kann man die Trümmerwolke ganz gut erkennen:


Das, was in 10-Uhr-Richtung weggeht, ist der Staubschweif. Das, was nach 6 Uhr-Richtung weggeht, ist die Trümmerwolke. In dem zentralen Bereich sieht man allerlei Fragmente als kleinen "Sternhaufen". Man sieht auch, dass die Teilchen im oberen Bereich der Trümmerwolke größer und heller sind , als bei der unteren. 

Der Trend, dass sich die Trümmerwolke  ausdehnt (quer zur Zugrichtung), wird sich verstärken. Sicher wird noch etlichen der Trümmer die Luft ausgehen. Eine kurze überschlagsmäßige Simulation zeigt, dass sich die Teilchen am 3.12. auf mehr als 1° verteilen, am 6.12. auf knapp 2,5°. Das mal als grobe Schätzung.

Es gab eine gewisse Restchance, dass ISON doch noch ein großer Komet wird: Wenn er nämlich sich zerlegt UND eine Menge Staub ausschüttet. Das vielzitierte Jahrhundertkometenszenario ging davon aus, dass ISON in etwa das gleiche tut wie seinerzeit Lovejoy, nur doller: Aber an der Staubausschüttung hapert es derzeit. Vor und während des Periheldurchgangs sah ISON gar nicht so schlecht aus. Wenn man aber mal den zum Vergleich immer gerne herangezogenen Komet Lovejoy in der derzeitigen Situation  anguckt, ist der Unterschied dramatisch.

Links Lovejoy. Man sieht einen schmalen Gasschweif, einen sehr hellen Kometenkern und einen immens hellen, leicht nach oben gekrümmten Staubschweif. Lovejoy pustete in der derzeitigen Phase immens viel Staub heraus. Auch Lovejoy hatte sich teilweise fragmentiert. Die Teilchen blieben aber enger beieinander. Als der Komet wieder auf den Nachthimmel wechselte, war der Kern gar nicht so hell, aber der ganze Staub bildete  einen riesigen, mit freiem Auge erkennbaren Schweif. Auch bei ISON (rechts) hier ist Staubentwicklung erkennbar, aber um Größenordnungen weniger als bei Lovejoy.

Was ist zu erwarten, wenn der Komet Anfang Dezember auftritt ?
- Den angedrohten "Super-Lovejoy.Schweif" (Fischer et al. 2013) wird man vergeblich suchen, es wird alles, wenn überhaupt, sehr diffus und großflächig sein. Nichts fürs bloße Auge, nichts für die Medien, Öffentlichkeit und Show.

- Wenn überhaupt Kernfragmente überleben, wird man sie wahrscheinlich teleskopisch oder mit Glück dem Feldstecher auffinden können, und sie werden sich auf eine relativ große Fläche verteilen. Das könnte für den Astrofotorgrafen sogar ganz hübsch werden.

- Es besteht auch die Möglichkeit, dass ALLEN Teilchen am Ende die Luft ausgeht und man gar nichts sieht.

- Ein Szenario "Großer Komet von 2013" in den ersten Dezembertagen kann man ausschließen.  Wohl aber könnte es sich lohnen, die Reste des Kometen, wenn es sie noch gibt, zu verfolgen.

Über die nicht allzu faktenbasierte Kometenhype, die wir schon bein PANSTARRS, aber auch bein ISON hatten, werde ich meine Meinung mal später absondern, und dazu auch ein paar Vergleiche zu Vorgängen in den 1970gern ziehen.

Freitag, 29. November 2013

ISON fragmentiert beim Periheldurchgang

Den Kometen ISON hat es im Perihel gründlich zerlegt. Hier ein Bild nach dem Perihel. Man erkennt, dass sich die Trümmerstücke entlang einer Staubspur (dust trail) verteilen.

 Einige der Trümmer sind aber immer noch kometentechnisch aktiv. Interessant wird sein, wie viel Staub und Gas sie in den kommenden Tagen freisetzen und wie lange sie das tun.

 Ähnlich wie Lovejoy vor 2 Jahren riss der alte Schweif ab, und die Fragmente werden nach  dem Periheldurchgang wieder heller, weil sie weiter Gas und Staub abgegben.
Wars das? Nicht unbedingt. Entscheidend für die Performance im Dezember wird sein, wie lange die größten der Fragmente durchhalten und wie viel Staub sie insgesamt abgeben, In den kommenen 24-48 Stunden sind wir schlauer.


Donnerstag, 28. November 2013

ISON im Perihel

ISON ist im sonnennächsten Punkt der Bahn angekommen. Jetzt steht er hinter der Scheibe der SOHO-Koronographen. Der alte Schweif ist wie bei Lovejoy abgerissen. Jetzt wird es spannend, ob der Komet hinter der Scheibe wieder hervorkommt. Wahrscheinlich wird es dann viele Stunden dauern, bis er einen neuen Schweif entwickelt - zumindest war das bei Lovejoy im Jahre 2011 so.
Hier ist das letzte C2

 und hier das letzte C3- Bild

Mittwoch, 27. November 2013

ISONS Sonnenpassage: Am Puls des Kometen

Komet ISON steht jetzt direkt neben der Sonne am Tageshimmel, und heute (27.11.) scheint er nicht so hell zu sein, dass man ihn (bereits?) vom Boden aus beobachten könnte. Aber von jedem Internetrechner aus ist SOHO jetzt aber gut sichtbar.

Der Komet ist nämlich soeben im Gesichtsfeld der C3-Kamera der Sonnensonde SOHO aufgetaucht.Hier mal ein Bild vom 27.11.2011, 4:30 UT. Die Sonne wird durch eine Scheibe abgedeckt, so dass man die Korona der Sonne und den Sternenhintergrund erkennen kann. Ein koronaler Masseauswurf ist erkennbar. Der Komet kommt aus der 4-Uhr-Position ins Gesichtsfeld herein. Der helle Stern in der 8-Uhr Position ist Antares. Aber es ist schon auffällig, dass man am Kometenkopf derzeit noch keine Bloomingspikes erkennt wie bei Passagen anderer heller Kometen nahe der Sonne - also scheint der Komet (jetzt noch?) nicht übertrieben hell zu sein.Diese Spikes kommen dadurch zustande, dass der CCD-Sensor an Bord von SOHO durch das gleißende Licht des Kometen übersättigt wird, und sehen wie Stacheln am Kometenkopf aus. Antares zeigt übrigens einen kleinen Spike.



Dies hier ist das neueste Bild, das sich ständig aktualisiert, sobald neue Bilder hereinkommen.   (Bildrechte ESA/NASA). Es lohnt sich also, heute, morgen und übermorgen öfter einmal reinzuschauen und das Geschehen zu verfolgen. Entwickeln sich Bloomingspikes? Den sonnennächsten Bahnpunkt erreicht ISON am 28.11. gegen 19:36 MEZ. Er passiert dann die Sonne in nur 1.8 Millionen km Entfernung (Sonnenradius: 700 000km).  Danach wird man genau verfolgen müssen, in welchem Zustand der Komet die Sonnenpassage überlebt. Bisher (27.11.2013, 8:30) scheint der Komet in den STEREO-Bildern immer noch heller zu werden. Wer einen Vergleich zu Komet Lovejoy (2011) ziehen will, findet HIER Vergleichsmaterial. Man kann erkennen, dass bei Lovejoy der Komet nach dem Perihel einen neuen Schweif aufbaut und dann deutlich heller wurde.


Bildrechte für beide Aufnahmen LASCO-SOHO Team / NASA / ESA.
Lovejoy zeigte vor allem nach dem Perihel eine massive Staubentwicklung. Darauf wird man bei ISON am 29. und 30.11. auf den SOHO-Bildern achten müssen.